So wohnte man früher: Die Wiesentaler Heimatstube

Heimatstube Ecke Wagbach- / Lerchenstraße
Heimatstube Ecke Wagbach- / Lerchenstraße

Das kleine Fachwerkhaus, das 1795 erbaut wurde, ist eines der ältesten in Wiesental. Auf einer Wohnfläche von knapp 50 Quadratmeter lebten zeitweise 7 Personen. Das Gebäude ging 1852 von Maria Josefa Hallmaier in den Besitz von Franz Stork I über. 1890 kaufte Josef Mahl VI das Haus und 1939 übernahm es seine Tochter Anna Mahl. Die Gemeinde Wiesental erwarb 1965 das Gebäude und restaurierte es, wobei versucht wurde die Bausubstanz weitgehends zu erhalten. Bereits vor 1965 wurde auf dem Anwesen die Scheune abgerissen und der freie Platz zusammen mit dem Hof und Garten für den Bau der Lerchenstraße verwendet.

 

Über die Weihnachtsfeiertage 1970 wurde das Gebäude erstmals als kleines Heimatmuseum der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei wurden historische Gegenstände gezeigt, die über man über die Jahre gesammelt hatte, vom Mammutstoßzahn über eine Halsgeige bis zur Zigarrenpresse. Auch wurde eine Bauernküche wie in früherer Zeit eingerichtet.

 

Bald nach seiner Gründung 1981 übernahm der Heimatverein Wiesental die Verwaltung und Pflege des Hauses und stattete es mit Einrichtungen im Stil um 1900 aus. Neben dem Gebäude ist es vor allem die Inneneinrichtung, die das Leben unserer Vorfahren eindrucksvoll darstellt. Die Eröffnung der Heimatstube erfolgte am Ostermontag den 23.4.1984. 

Küche wie zu alter Zeit
Küche wie zu alter Zeit

Durch die Eingangstür, die in einer oberen und unteren Hälfte geöffnet werden kann, betritt man den Hausflur. Durch die Teilung der Tür konnte beim Lüften nur die obere Hälfte geöffnet werden und die Haustiere im Hof konnten so nicht in die Wohnung gelangen. Der Flur, auch Ern genannt, diente als Garderobe, Vorratskammer und Waschküche. An Haken hinter der Tür hängt die Feld- und Stallkleidung, in dem Regal an der Wand liegen verschiedene Gebrauchsgegenstände. Hier wurden auch der Schinken und die Würste vom letzten Schlachttag aufbewahrt.

Die Küche bildete den Mittelpunkt des Hauses. Hier spielte sich auch das Familienleben ab. Im eingemauerten Kessel wurde die Tränke für das Vieh gekocht. Auf dem Herd daneben wurde das Essen zubereitet. An kalten Wintertagen war dies gewöhnlich der einzige beheizte Raum des Hauses und diente als Aufenthaltsraum für groß und klein.

An der Straßenseite liegt die "gut Stub`" mit dem Kanapee dem Tisch, dem

Kleider- und dem Wäscheschrank. Geheizt wurde hier nur an Sonn- und Feiertagen, an denen sich die Familie in dem Zimmer aufhielt, sowie bei strengem Frost.

Durch eine dreiviertel hohe Wand und eine Tür ist die gute Stube von der Schlafkammer getrennt. Hier schliefen die Eltern und Kleinkinder. Als Unterlage im Bett diente ein Strohsack. Die Bettwäsche war meist selbstgewebtes Linnen. Die Öffnung zwischen Decke und Wand sorgte für einen Temperaturausgleich zwischen den Zimmern.

Ein Teil des Speichers war der Schlafplatz der Kinder, ein anderer Teil Lager und Vorratsraum. Heute sind hier zahlreiche landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge, die sich früher im Schuppen, Stall und Scheune befanden, zu sehen.